"Musenträne des Magus"

2016, LED Tube, Metall und Glas, 100 x 65 x150 cm

 Glaskugeln die das Licht weiterleiten ohne selbst Licht zu produzieren, ist die Grundidee für dieses Lichtobjekt. Ein Bereich wo sich Magie, Technik und Poesie im Dialog befinden. Magus in Kommunikation mit dem Ichmenschen der heutigen Zeit. Seit vier Luminalen beschäftigt sich der Künstler Johannes Kriesche sich mit Licht im Außenraum. Zum Event 2016  hat er sich ganz auf eine Idee konzentriert: Was passiert wenn Kunstwerken, die anscheinend auf künstliches Licht angewiesen sind, das Licht ausgehen?

 

Johannes Kriesche: "Bei der LED Technik ist eine extrem lange Leuchtdauer schon erreicht, sie umfasst bei guten hochwertigen LEDs an die bis 50.000 Stunden und mehr, das ist schon sehr effektiv und nachhaltig. Nur irgendwannn erlischt es halt doch, und dann ist es so eine Sache mit der Ersetzbarkeit. Ich gehe da einen 2. Weg, der den Anspruch hat, dass die Lichtplastik auch ohne künstliches Licht eine hohe Wirkung hat und künstlerischen Charme ausstrahlt.

 

Durch den Einsatz von kleinen Glaskugeln, die in der Industrie auch Malperlen genannt werden (was nichts mit Malerei zu tun hat, sondern mit dem Einsatz in großen Mühlwerken) erreiche ich eine Reflexion des Tageslichts, was mich an meine anfängliche Begeisterung der Pointilisten in der Malerei erinnert. Das Licht ist ein Punkt, ist ein weiterer Punkt…


Die erste Arbeit war ein reiner Zufall der Neugier: In meinem Atelier hing ein Trichter an der Wand und ich steckte da aus Jux einen Pinsel rein, wie ein Ready-Made. Ich beklebte den Trichter nun mit den Glaskugeln, die sich gegenseitig ein wunderbares Licht zuwerfen und einer von 7 "Musenbusen" war entstanden. Daraufhin entwickelte ich einen Lichtknoten ("Unlösbare Erinnerungen") mit einem biegsamen LED FlexTube.

Mit freundlicher Unterstützung der Firma  MBN PROLED aus Friedberg.

 

 

Während der LUMINALE 2016 im Kunstverein Montez, Frankfurt am Main

Und so konnte ich die Idee weiterführen und es in einem größerem Maßstab für die LUMINALE entwerfen: Die "Musenträne des Magus". Im Mittelpunkt steht ein blaues Blütenblatt, das umgeben wird mit einer halben Form eines Tropfens, wie als wenn man in einen Bernstein schaut der ein Insekt oder Pflanzenteil aus der Frühzeit der Entwicklung in sich hat… Der Titel der Arbeit zielt daraufhin das im Mittelalter ein Künstler sich nicht nur als Handwerker verstand sondern auch als Wissenschaftler und Magier (Magus) und sich mit Phänomenen der Natur beschäftigte (z.B. die Linsentechnik, Magnetismus u.a. ). Erst in der Romantik, die sich mit einer Art Logo, der blauen Blume umgaben, was wiederum auf einen Roman von Novalis zurückgeht, wurden erneut verstärkt optische, akustische und andere Phänome begeistert untersucht und ausgestellt.


Ich habe versucht die blaue Blume mit der Kommunikation von heute zu verbinden: Unsere Gesellschaft kommuniziert mit diesem kleinem Apperat, der wirklich von Magie ist, dem Smartphone. Wir, Ihr, Ich, Du, Sie, Er, gebrauchen es tagtäglich und tragen eigentlich Magie mit uns herum.  Wie wunderbar einerseits, jedoch andererserseits auch abhängig, entsinnlicht und zeitraubend zugleich unsere Welt davon beherrscht wird, versuche ich mit dieser Lichtplastik anzudeuten."

Während der Nacht der Musseen in Frankfurt, 2017, Foto: Hagen Heergeist
Während der Nacht der Musseen in Frankfurt, 2017, Foto: Hagen Heergeist
Während der Nacht der Musseen in Frankfurt, 2017, Foto: Hagen Heergeist
Während der Nacht der Musseen in Frankfurt, 2017, Foto: Hagen Heergeist